Die Kosten für Colocation lassen sich nicht allein anhand des Preises für den Platz im Rack bestimmen. Die monatliche Gesamtrechnung kann die Miete einzelner Höheneinheiten oder eines kompletten Racks, Stromversorgung, Internetanbindung, Cross-Connects, zusätzliche IP-Adressen, Remote Hands und weitere Leistungen des Rechenzentrums umfassen. Neben den regelmäßigen Zahlungen können einmalige Kosten für die Bereitstellung und Installation der Hardware anfallen.
Daher können sich zwei Angebote mit demselben Preis für „1 HE pro Monat“ bei den tatsächlichen Gesamtkosten der Unterbringung deutlich unterscheiden. Um Colocation Preise korrekt vergleichen zu können, müssen alle enthaltenen und zusätzlich berechneten Leistungen berücksichtigt werden. Im Folgenden betrachten wir, wie sich die Kosten für Colocation in Deutschland im Jahr 2026 zusammensetzen und welche Ausgaben beim Vergleich von Angeboten verschiedener Rechenzentren und Service Provider berücksichtigt werden sollten.
Wovon hängen die Colocation-Kosten ab?
Der Preis wird in erster Linie vom benötigten Platz und vom Stromverbrauch der Hardware beeinflusst. Dies ist jedoch nur der grundlegende Teil der Kosten.
Die Ausgaben lassen sich in mehrere Hauptkategorien unterteilen:
- Rack Space – von einzelnen Höheneinheiten (HE/U) bis zu einem kompletten Rack;
- verfügbare Leistung und tatsächlich verbrauchte elektrische Energie;
- Internetanbindung und benötigte Bandbreite;
- Cross-Connects zu Carriern, Clouds oder anderen Netzwerken;
- IP-Adressen und zusätzliche Netzwerkdienste;
- Remote/Smart Hands;
- einmalige Setup- und Installation Fees.
Darüber hinaus werden die Kosten von der Stadt und dem konkreten Rechenzentrum, der Klasse und Redundanz der Infrastruktur, den Leistungsanforderungen, der Vertragslaufzeit und dem Umfang der gebuchten Services beeinflusst. Daher ist es sinnvoller, nicht nur den Grundpreis für die Miete, sondern die Total Cost of Colocation – also die Gesamtkosten für die Unterbringung der Infrastruktur – zu vergleichen.
Rack Space: von 1 HE bis zum Full Rack
Der erste Kostenbestandteil ist der physische Platz, den die Hardware im Rack belegt. In Deutschland wird neben der internationalen Bezeichnung U (Rack Unit) häufig HE – Höheneinheit – verwendet. 1 HE entspricht 1 U und hat eine Höhe von 44,45 mm.
Für einen oder mehrere Server werden üblicherweise 1U/1HE, 2U, 3U oder 4U angeboten. Mit wachsender Infrastruktur kann es wirtschaftlicher werden, einen Teil des Racks – beispielsweise ¼ oder ½ Rack – oder einen kompletten Serverschrank zu mieten.
Als Beispiel können die Tarife eines Service Providers in Frankfurt betrachtet werden:
- 1U – 55 € pro Monat;
- 2U – 110 €;
- 3U – 165 €;
- 4U – 220 €;
- ¼ Rack – 237 €;
- ½ Rack – 445 €;
- Full Rack – 726 €.
Für diese Varianten fällt zusätzlich eine einmalige Setup-Gebühr an: von 50 € für 1U bis zu 500 € für ein Full Rack.
An diesen Tarifen lässt sich erkennen, warum es nicht immer sinnvoll ist, Colocation ausschließlich anhand des Preises pro Höheneinheit zu vergleichen. Mit zunehmender Anzahl an Geräten kann die Miete eines Teils oder eines kompletten Racks wirtschaftlicher sein, als jede einzelne U separat zu bezahlen.
Der physische Platz ist jedoch nur eine der begrenzten Ressourcen. Ein Rack kann beispielsweise noch über freie Höheneinheiten verfügen, gleichzeitig aber bereits das verfügbare Leistungslimit erreicht haben. Bei der Planung der Infrastruktur müssen daher Rack Space und Power Capacity gleichzeitig berücksichtigt werden.
Strom: einer der wichtigsten Kostenfaktoren
Der Energieverbrauch wirkt sich besonders stark auf die Kosten für die Unterbringung von Servern mit leistungsstarken CPUs, GPUs und einer großen Anzahl von Laufwerken aus. Dabei verwenden Rechenzentren und Colocation Provider unterschiedliche Abrechnungsmodelle.
Strom kann:
- innerhalb eines festgelegten Limits im Tarif enthalten sein;
- nach dem tatsächlichen Verbrauch in kWh abgerechnet werden;
- auf Basis der reservierten Leistung berechnet werden;
- ein festes Kontingent enthalten, bei dessen Überschreitung zusätzliche Kosten anfallen.
Daher lassen sich ein Angebot mit „1 kW included“ und ein Tarif, bei dem der Strom nach Zählerstand abgerechnet wird, nicht allein anhand des monatlichen Rack-Preises vergleichen.
Wichtig ist außerdem, zwischen der Anschlussleistung in kW und dem Energieverbrauch in kWh zu unterscheiden. Wenn ein Rack 7 kW unterstützt, bedeutet das nicht, dass der Kunde permanent einen Verbrauch von 7 kWh pro Stunde bezahlt: Die konkrete Abrechnung hängt vom Tarifmodell des Providers ab.
Bei der Budgetplanung sollten die durchschnittliche und die maximale Leistungsaufnahme der Hardware im Voraus ermittelt werden. Bei GPU-Infrastrukturen ist dieser Punkt besonders wichtig: Mehrere High-Performance-Server können deutlich mehr Leistung benötigen als ein übliches Rack mit Unternehmenshardware.
Auch die Redundanz der Stromversorgung beeinflusst die Kosten
Bei kritischer Infrastruktur werden Server häufig an unabhängige A- und B-Stromzuführungen angeschlossen. Dadurch kann die Hardware bei Problemen mit einer Stromzuführung weiterbetrieben werden, sofern die Server selbst über redundante Netzteile verfügen.
Eine solche Redundanz erfordert eine entsprechende Infrastruktur im Rechenzentrum und kann im Tarif berücksichtigt werden. Beim Preisvergleich sollte daher nicht nur geprüft werden, wie viele kW verfügbar sind, sondern auch, wie die Stromversorgung aufgebaut ist und welche Leistungen konkret im Angebot enthalten sind.

Internetanbindung: Portgeschwindigkeit und Traffic-Volumen sind nicht dasselbe
Der nächste Kostenbestandteil ist die Netzwerkanbindung. Der Preis hängt hier vom Abrechnungsmodell des Providers ab.
Ein Server kann beispielsweise einen 1- oder 10-Gbit/s-Port erhalten. Das bedeutet jedoch noch nicht, dass er dauerhaft und ohne zusätzliche Kosten Daten mit voller Portgeschwindigkeit übertragen kann. Der Provider kann die im Tarif enthaltene Bandbreite separat begrenzen oder das übertragene Datenvolumen abrechnen.
Mehrere Modelle sind verbreitet:
- Unmetered Bandwidth – das Traffic-Volumen wird nicht separat abgerechnet, die verfügbare Geschwindigkeit ist jedoch auf einen festgelegten Wert begrenzt.
- Traffic Package – ein bestimmtes Datenvolumen ist im Preis enthalten; bei Überschreitung fallen zusätzliche Gebühren an.
- Committed Bandwidth – der Kunde bezahlt eine bestimmte garantierte oder vereinbarte Bandbreite.
- 95th Percentile – die Kosten werden anhand der gemessenen tatsächlichen Leitungsauslastung berechnet, wobei kurzzeitige Spitzen ausgeschlossen werden.
Beim Vergleich zweier Angebote reicht die Angabe „10 Gbps Port“ daher nicht aus. Es muss geklärt werden, welche Bandbreite im Preis enthalten ist, ob Traffic-Limits gelten und wie viel eine Erhöhung der Bandbreite kostet.
Cross-Connect: Welche Kosten zusätzlich anfallen
Ein Cross-Connect ist eine physische Verbindung zwischen der Hardware des Kunden und einem anderen Netzwerk oder einer anderen Infrastruktur innerhalb des Rechenzentrums. Er kann für die Anbindung an einen Carrier, einen Internet Exchange, eine Cloud-Plattform oder die Infrastruktur eines anderen Kunden genutzt werden.
Anstatt Daten über das öffentliche Internet zu übertragen, erhält der Server eine dedizierte physische Verbindung zum benötigten Point of Presence. Ein Cross-Connect kann beispielsweise über Glasfaser- oder Kupferkabel realisiert werden.
Die Kosten für eine solche Verbindung setzen sich üblicherweise aus zwei Teilen zusammen:
- einer einmaligen Gebühr für die Einrichtung und Verlegung der Verbindung;
- einer regelmäßigen monatlichen Gebühr für deren Nutzung.
Der Preis hängt vom Rechenzentrum, vom Verbindungstyp und vom Leitungsweg innerhalb des Standorts ab. Ist die Infrastruktur auf mehrere Gebäude oder Campusbereiche verteilt, können zusätzliche Kosten für die Verbindung zwischen diesen Bereichen entstehen.
Auch die Anzahl der Cross-Connects spielt eine Rolle. Für einen einzelnen Server kann die Internetanbindung des Providers ausreichend sein. Eine Infrastruktur mit mehreren Carriern, einer Anbindung an einen IXP und privaten Verbindungen zu Clouds benötigt dagegen mehrere physische Verbindungen. In diesem Fall können Cross-Connects zu einem erheblichen Bestandteil des monatlichen Budgets werden.
Beim Vergleich von Colocation-Angeboten sollte daher im Voraus festgelegt werden, welche externen Verbindungen tatsächlich benötigt werden und ob Cross-Connects bereits im Basistarif enthalten sind.
Remote Hands und Arbeiten vor Ort
Bei Colocation gehört die Hardware dem Kunden. Daher müssen bestimmte physische Arbeiten an den Geräten gelegentlich direkt im Rechenzentrum durchgeführt werden. Befindet sich kein eigenes Team in der Nähe, werden dafür Remote Hands oder Smart Hands genutzt.
Die Techniker vor Ort können beispielsweise:
- einen Server neu starten oder physisch überprüfen;
- eine Festplatte, ein Netzteil oder eine andere Komponente austauschen;
- ein Kabel anschließen oder austauschen;
- Hardware im Rack installieren;
- Statusanzeigen und Verbindungen überprüfen.
Solche Arbeiten können nach Stunden, zu einem festen Preis pro Vorgang oder im Rahmen eines Support-Pakets abgerechnet werden. Bei CloudKleyer werden Remote/Smart Hands separat mit 95 € pro Stunde berechnet.
Bei der Kalkulation der Colocation-Kosten ist dieser Punkt besonders für Unternehmen relevant, deren Infrastruktur sich in einer anderen Stadt oder einem anderen Land befindet. Ein niedriger Rack-Preis kann einen Teil seines Kostenvorteils verlieren, wenn jeder physische Eingriff eine teure Anreise eines eigenen Technikers erfordert.
Welche weiteren Kosten berücksichtigt werden müssen
Neben Rack Space, Strom, Netzwerk und Cross-Connects können weitere Positionen auf der Rechnung erscheinen.
- Setup Fee. Eine einmalige Gebühr für die Vorbereitung des Stellplatzes, den Anschluss oder die Inbetriebnahme des Services.
- Zusätzliche IP-Adressen. Der Provider kann eine Grundausstattung an Adressen einschließen und zusätzliche IPv4-Adressen oder Subnetze separat berechnen.
- Zusätzliche Netzwerkdienste. Dazu können beispielsweise separate VLANs, BGP-Sessions, DDoS-Schutz oder private Verbindungen gehören – abhängig davon, welche Leistungen bereits im Tarif enthalten sind.
- Installation und Migration. Die Installation einer größeren Anzahl von Geräten, die Migration der Infrastruktur aus einem anderen Rechenzentrum oder Änderungen an der Verkabelung können zusätzliche technische Arbeiten erfordern.
- Zusätzliche Leistung. Übersteigt der Energiebedarf der Hardware das Basislimit des gewählten Tarifs, kann eine Erhöhung der Power Capacity die Gesamtkosten erheblich verändern.
Die Konditionen unterscheiden sich je nach Provider. Vor dem Vergleich verschiedener Angebote ist es daher sinnvoll, eine vollständige Aufstellung aller regelmäßigen und einmaligen Kosten anzufordern.

So berechnen Sie die Gesamtkosten für Colocation
Für eine erste Budgetplanung kann ein einfaches Modell verwendet werden:
Colocation = Rack Space + Power + Connectivity + Cross-Connect + Support + zusätzliche Services
Einmalige Kosten für Setup, Installation und gegebenenfalls Migration werden separat berücksichtigt.
Damit vergleichbare Angebote erstellt werden können, sollten allen Providern dieselben Ausgangsdaten zur Verfügung gestellt werden:
- benötigte Anzahl an U/HE;
- durchschnittliche und maximale Leistungsaufnahme;
- Bedarf an A+B-Stromversorgung;
- benötigte Bandbreite und erwartetes Traffic-Volumen;
- Anzahl und Art der Cross-Connects;
- benötigte IP-Ressourcen;
- voraussichtlicher Umfang der Remote-Hands-Leistungen.
Besonders wichtig ist eine korrekte Einschätzung des Energieverbrauchs. Bei einer GPU-Infrastruktur können die Kosten für die belegten Höheneinheiten beispielsweise einen relativ kleinen Teil des Budgets ausmachen, während die verfügbare Leistung und der Stromverbrauch zu den wichtigsten Kostenpositionen werden.
Nach Erhalt der Angebote müssen diese auf eine vergleichbare Konfiguration gebracht werden. Bietet ein Provider ein Rack für 500 € und ein anderer für 700 € an, können diese beiden Beträge nur dann direkt miteinander verglichen werden, wenn darin vergleichbare Mengen an Leistung, Strom, Bandbreite und anderen benötigten Services enthalten sind.
Neben den laufenden Kosten sollten auch die Möglichkeiten zur Skalierung geprüft werden. Wenn die Infrastruktur wachsen soll, sind die Kosten für zusätzliche Höheneinheiten oder Racks, die Verfügbarkeit zusätzlicher Leistung und die Konditionen für eine Erhöhung der Bandbreite bereits im Voraus relevant.
Der Preis bleibt dabei nicht das einzige Kriterium. Für produktive Infrastruktur sind außerdem SLA, Redundanz von Stromversorgung und Netzwerk, physischer Zugang zur Hardware, Verfügbarkeit des technischen Supports und die Anforderungen an das Rechenzentrum wichtig.
Woraus sich die tatsächlichen Colocation-Kosten zusammensetzen
Einen universellen Colocation-Preis gibt es nicht: Das Gesamtbudget wird durch die Hardwarekonfiguration und den Umfang der benötigten Services bestimmt. Bei der Unterbringung eines einzelnen Servers kann die Miete der U/HE einen erheblichen Teil der Kosten ausmachen, bei High-Density-Infrastrukturen dagegen Strom und verfügbare Leistung und bei Netzwerkinfrastrukturen mit mehreren Carriern Connectivity und Cross-Connects.
Bei der Budgetplanung sollte daher nicht nur der einzelne Preis pro U oder Rack betrachtet werden, sondern die vollständigen monatlichen Kosten der gewählten Konfiguration zuzüglich der einmaligen Ausgaben für Anschluss und Inbetriebnahme. Erst dieser Wert ermöglicht einen korrekten Vergleich der Angebote verschiedener Colocation Provider.





